Linke Hochschultage

Vom 21. bis 24. November finden in Zürich die ersten Linken Hochschultage statt – Voraussichtlich im Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Schönberggasse 1. Von den über zwei Dutzend Veranstaltungen, die in diesem Rahmen stattfinden, möchten wir nachfolgende ausdrücklich zum Besuch empfehlen:

Wildcat
Materialien gegen die Individualisierung – Betriebserfahrungen von den 70er Jahren bis heute
Donnerstag, 22. November 2012 I 16:15-17:45
Wo kritische Wissenschaft aufs Ganze geht, entfaltet sie Wirkung jenseits akademischer Zirkel. Wildcat – zu Deutsch „wilder Streik“ – ist eine mehrsprachige Zeitschrift aus Deutschland, die sich mit den unterschiedlichen Aspekten des Arbeits- und Klassenkampfs auseinandersetzt. Neben theoretischen Reflexionen bietet die Zeitschrift einen steten Informationsfluss zu aktuellen Kämpfen weltweit und stellt damit einen wichtigen Bestandteil des Informations- und Solidaritätsaustauschs in der fortschrittlichen Bewegung dar. An Wildcat zeigt sich, dass das enge Zusammenspiel von kritischer Forschung und emanzipatorischer Intervention längst Tatsache ist.

Ankündigungstext
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Tomasz Konicz
Eurokrise, neuste Etappe im Krisenprozess des Kapitalismus
Donnerstag, 22. November 2012 I 19:45-21:15
Solange das Ganze der Gesellschaft überwiegend einer kapitalistischen Logik unterworfen ist, bleibt es ein krisenhaftes Ganzes. Und diese Krisenhaftigkeit hat eine lange Geschichte, die zu erinnern die Aufgabe eines kritischen Journalismus und einer kritischen Wissenschaft darstellt. Tomasz Konicz ist freier Journalist und lebt in Poznań, Polen. Er schreibt regelmässig Artikel in verschiedenen linken Zeitungen und gilt als Experte für die Einflüsse der Krise auf die europäischen Staaten. So berichtet er immer wieder über die aktuellen politischen Vorgänge und über das Aufkommen neuer nationalistischer und neofaschistischer Bewegungen in Osteuropa. Daneben beschäftigt er sich intensiv mit der Analyse der aktuellen Krise, zu der er eine Artikelsammlung veröffentlicht hat, die es als E-Book beim Internetportal Telepolis zu kaufen gibt. In seinem Referat wird Konicz darlegen, warum die aktuelle Eurokrise nichts Neues ist, sondern nur eine weitere Etappe eines langfristigen Krisenprozesses des Kapitalismus darstellt.

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Ali Schirasi
Die wirtschaftliche und politische Struktur des Staates, die aktuelle Krise und die vielfältigen Formen des Widerstands im Iran
Freitag, 23. November 2012 I 13:00-14:30
Ali Schirasi war jahrelang im Iran politisch aktiv. Nach mehrjährigen Haftstrafen gelang ihm die Flucht nach Deutschland, wo er heute als Schriftsteller lebt. In diesem Jahr erschien sein neustes Buch, „Die Wüste glimmt“, das sich mit dem Thema der gesellschaftlichen Emanzipation auseinandersetzt. Schirasi wird über die wirtschaftliche und politische Struktur des Irans sprechen. Zudem wird er auf die Krise, die im Iran massiv zu spüren ist, sowie auf die Formen des Widerstands der Studierenden wie auch anderer Gesellschaftsgruppen eingehen. Dabei soll es auch um die Frage gehen, inwiefern sich kritische Bewegungen in Europa mit anderen Bewegungen zusammenschliessen können und was das Ziel einer gegenseitigen Unterstützung sein könnte.

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Solale Schirasi
Die Rolle der Frau in der iranischen StudentInnenbewegung und im politischen Widerstand
Freitag, 23. November 2012 I 14:30-16:00
Die Schriftstellerin und Feministin Solale Schirasi war in der iranischen StudentInnenbewegung aktiv und verfügt bis heute – von ihrem politischen Exil in Deutschland aus – über viele Kontakte in ihr Herkunftsland. Vor dem Hintergrund ihrer Informationen zur aktuellen politischen Lage im Iran wird sie zur Rolle der Frau in der iranischen StudentInnenbewegung und im politischen Widerstand sprechen und damit auf ein Thema eingehen, welches von den etablierten Medien häufig vernachlässigt wird.

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Bernhard Schmid
Der Arabische Frühling. Soziale Hintergründe und aktuelle Entwicklung
Freitag, 23. November 2012 I 18:15-19:45
Bernhard Schmid arbeitet als Jurist in Paris und engagiert sich nebenberuflich als Journalist und Autor. Hierbei zeichnet er sich insbesondere mit seiner Kenntnis der extremen Rechten in Frankreich und der Entwicklungen im arabischen Raum aus. In seinem Referat wird Schmid einen Einblick in aktuelle Entwicklungen im Nachgang zum „Arabischen Frühling“ geben. Im Gegensatz zu den Artikeln gängiger Zeitungen, die die Revolten im arabischen Raum häufig als Effekt neuer Medien und Kommunikationsmechanismen charakterisieren, macht Schmid auf die sozialen Hintergründe der Aufstände aufmerksam.

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Rainer Thomann
Soziale Kämpfe in Griechenland
Samstag, 24. November 2012 I 14:30-16:00
Ein gesellschaftliches Ganzes, das in seiner Komplexität kritisch analysiert werden muss – und dann, wo beginnen? Das Kapital ist ohne Arbeit nichts, wieso also nicht dort beginnen, wo sie stattfindet. Rainer Thomann ist langjähriger Aktivist im Bereich Arbeitskämpfe. Hierzu hat er in verschiedenen Büchern seine Erfahrungen niedergeschrieben. Er setzt sich seit Jahren für eine fortschrittliche Gesellschaft ein und unterstützt, wo immer er kann, die Versuche von Arbeiterinnen und Arbeitern, selbst die Kontrolle über ihre Fabriken zu übernehmen. Vor einigen Monaten besuchte Thomann Griechenland und nahm an verschiedenen sozialen Kämpfen teil. In seinem Referat wird er seine Erfahrungen schildern.

Christian Frings
Die Einordnung der Krise unter weltsystemtheoretischer Sichtweise
Samstag, 24. November 2012 I 18:15-19:45
Das kapitalistische Ganze ist immer ein globalisiertes und globalisierendes Ganzes. Dieser Prozess ist zwar krisenhaft als ganzer, seine Krise schlägt aber lokal nicht überall gleich ein und an. Christian Frings ist Aktivist, Übersetzer und gesellschaftskritischer Theoretiker. Er tritt regelmässig als Referent in verschiedenen politischen Zusammenhängen auf und gilt als Experte der marxistischen Kapitalismusanalyse. Er übersetzte viele Werke des englischsprachigen marxistischen Geographen David Harvey ins Deutsche und machte diese somit einem grösseren Publikum zugänglich. An den Linken Hochschultagen versucht Christian Frings die aktuelle Krise unter weltsystemtheoretischen Überlegungen zu fassen.