Black Marxism

Donnerstag, 10. Oktober 2013, 20:00-21:30 Uhr

Mit dem Beginn der weltweiten ökonomischen Krise seit 2007 findet die radikale Kapitalismuskritik von Marx wieder größeres Interesse. Ihr Anspruch war und ist es, in den Widersprüchen der heutigen Gesellschaft Bedingungen und Möglichkeiten einer allgemeinmenschlichen Emanzipation zu finden. Aber dieser Anspruch auf universelle und damit wirklich globale Befreiung bricht sich an westlichen oder eurozentristischen Prägungen dieser theoretischen Kritik, die oftmals ausgeblendet bleiben. Marx und Engels hatten von Hegel unreflektiert dessen Begriff der „geschichtslosen Völker“ übernommen, von dem sie sich erst unter dem Eindruck der großen außereuropäischen Sozialrevolten der 1850er Jahre (der Sepoy-Aufstand in Indien 1857 und die Taiping-Revolte in China 1850-1864) und durch die Orientierung am antikolonialen Kampf der Iren teilweise lösen konnten. Ebenso ungeklärt bleibt in Marx‘ Kritik die Bedeutung des rassistisch eingefärbten globalen NordSüd-Gefälles, und damit auch der modernen Sklaverei, für das Funktionieren und Überleben des kapitalistischen Weltsystems. An dem heutigen Wendepunkt der Weltgeschichte, an dem sich die revolutionäre Dynamik unabweisbar im globalen „Süden“ entfaltet, muss sich die Linke in den Metropolen mit den eurozentristischen Grenzen der Marxschen Kritik auseinandersetzen, gerade um an ihrer radikalen Entmystifizierung der Fetischgestalten des Kapitals festhalten zu können. Im Vortrag von Christian Frings sollen auf den Spuren eines „Black Marxism“ (Cedric Robinson) Ansatzpunkte und Perspektiven einer solchen Überwindung metropolitaner Begrenztheiten der Kapitalismuskritik dargestellt und diskutiert werden.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der 2. Linken Hochschultage statt. Die Linken Hochschultage 2013 finden im Containerdorf an der Kantonsschulstrasse gleich beim Kunsthaus in Zürich statt.